Archive für Dezember 2006

Fahranfänger - wie süß :)

Da parke ich nichts Böses ahnend auf einem Parkplatz und werde spontan an den Beginn meines Führerscheinbesitzes erinnert. Ich habe mein Auto damals auch als Fahranfänger-Fahrzeug kenntlich gemacht. Allerdings so, dass ich mit meinem Auto noch rückwärts fahren konnte und die Klebedauer des Aufklebers nicht antiproportional zur Nutzung des Heckscheibenwischers und die der Heckscheibenheizung ist.
Eines ist jedenfalls klar: die Person, die diesen Aufkleber angebracht hat, ist wirklich Fahranfänger :)


Callcenter - jetzt auch mit Lügen!

Dass man heutzutage eigentlich fast bei keinem etwas größeren Unternehmen mehr anrufen kann, ohne an ein Callcenter zu kommen, dürfte ja gemeinhin bekannt sein.
Im Prinzip habe ich nichts gegen Callcenter, denn meist können die Leute dort wenigstens telefonieren. Einen zweiten Vorteil hat man auch: alle Vorgänge werden komplett computerbasiert abgewickelt - im Prinzip können so auch keine Daten verloren gehen.
Die Nachteile dabei sind aber: man hat kaum eine Chance, zwei mal mit dem gleichen Mitarbeiter zu sprechen, um sich auf ein bereits geführtes Gespräch beziehen zu können. Einzige Chance: man muss hoffen, dass der vorherige Mitarbeiter möglichst viel und eindeutig in die Datenbank eingetragen hat, damit sein Nachfolger daraus einigermaßen nachvollziehen kann, worum es geht. Eine flüssige Kommunikation geht dabei verloren und Callcenter, deren Platzzahlen zu klein kalkuliert sind, sodass man eigentlich immer in eine “Der nächste freie Mitarbeiter ist für Sie reserviert”-Schleife gerät. Neu ist mir allerdings, dass man in Callcentern mittlerweile ganz bewusst belogen wird, und das bei einer nicht unerheblichen Sache. Ich will da mal meine persönliche Leidensgeschichte erzählen. Den Rest des Eintrags lesen »

Anwesenheitsübungen

Bachelor- und Master-Studiengänge sollen ja - soweit ich das verstanden habe - den Studenten durch regelmäßige Leistungskontrollen kontinuierliche Mitarbeit abringen und das “Ich hau’ mir den Stoff zwei Wochen vor der Klausur in den Schädel”-Prinzip abschaffen; als Übung dafür und wohl auch für die ECTS-Konformität gibt es diese auch in bestimmten Diplom-Studiengängen. Im meinem Nebenfach Elektrotechnik bekomme ich so mit, dass man für eine handelsübliche Grundstudiumsvorlesung neben der Klausur noch eine handvoll Anwesenheitsübungen und meist ein bis zwei Praktikumsversuche erfolgreich absolvieren muss, um die Veranstaltung als “bestanden” gewertet und damit seine Leistungspunkte zu bekommen. Meistens gibt es dazu dann noch die Nettigkeit, dass, wenn man im WS 04/05 alle Vorleistungen geschafft hat, die Klausur mitgeschrieben aber leider nicht bestanden hat, man dann im WS 05/06 auch Praktikumsversuche und AWÜs noch einmal absolvieren darf.
Wiedemauchsei: interessant finde ich, wie sehr sich diese Anwesenheitsübungen in ihrem Schwierigkeitsgrad unterscheiden. Während in der einen Vorlesung reines FaktenFetzenwissen abgefragt wird, das man sich durch einen einigermaßen regelmäßigen Besuch oder kurzes Überfliegen des Vorlesungsmaterials vor der Übung aneigenen kann, schreibt man in der anderen Vorlesung AWÜs vom Kaliber eines normalen Übungszettels - wenn nicht gar einer Mini-Klausur.
Die wohl uninteressanteste Phase während so eine AWÜ ist wohl das Bearbeiten einer solchen - für die WiMis des Lehrstuhls. So soll es schon vorgekommen sein, dass diese überlegten, die Tafel derweil für Tic Tac Toe zu nutzen ;-)

Sprachcomputer - back to the roots ?!

Nachdem nicht zuletzt auch Fabian in seinem Blog über Erlebnisse mit Telefon-Sprachcomputern berichtete, will ich mich auch mal dazu auslassen.
Also: damals ™, so bis Mitte der 90er Jahre, wählte man im analogen Telefonnetz mittels Impulsen - das Ganze nannte sich dann Impulswahlverfahren, von der Post / Telekom mit treffend mit IWV abgekürzt. Die Impulse kamen so zustande, dass - einem bestimmten Takt folgend - die Leitung für kurze Zeitabstände getrennt und wieder geöffnet wurde. Bei jedem solchen Impuls bewegte sich in der Vermittlungsstelle dann ein dadurch gesteuerter Wählverbinder eine Position weiter - und schaltete ggf. eine Leitung zum nächsten Wählverbinder oder - schlussendlich - zum Teilnehmer. War die Leitung für eine längere Zeit getrennt, rutschten alle für den wählenden Teilnehmer reservierten Wähler zurück in ihre Startposition.
Das war übrigens zu einer Zeit, zu der man in den USA schon lange digital vermittelte für solche Dinge wie Makeln und Anklopfen kein spezielles digitales Telefonnetz brauchte.
Schließlich wurden dann in Deutschland aber auch die Vermittlungsstellen alle digitalisiert; diese konnten nun mittels Tönen nach der DTMF-Technik vermitteln. Die Post bzw. Telekom gab dem Ganzen den Namen “Mehrfrequenzwahlverfahren”. (MFV). Um die noch recht zahlreich vorhandenen Nutzer von Telefonen (oder Telefonanlagen), die keine Tonwahlfähigkeit besaßen, nicht im Dunkeln stehen zu lassen, baute man in die digitalen Vermittlungsstellen sozusagen einen “IWV-Simulator” mit ein: die digitalen Vermittlungsstellen konnten (und können das AFAIK heute auch noch) weiterhin auf IWV-Telefone reagieren.
Warum ich soweit aushole? Ganz einfach: mit dem MFV-Verfahren ergaben sich nicht nur für die Betreiber der Vermittlungsstellen Vorteile: das DTMF-Verfahren erlaubt nämlich eine quasi verwechslungsfreie Erkennungsmöglichkeit für die Gegenseite.
Als die ersten Anrufbeantworter mit Fernabfrage-Möglichkeit auf den Markt kamen und MFV noch längst nicht die Regel war - vor allem aber die Telefone in Telefonzellen noch mit Impulsen wählten - gab es immer ein kleines Gerät mit einem Zehner-Tastenblock und einem Lautsprecher dazu - meistens “Fernabfrage-Sender” oder “Code-Sender” genannt. Dieses Gerät machte aber nichts anderes, als bei Druck auf eine Taste das entsprechende DTMF-Signal zu erzeugen. So konnte man - egal ob das Telefon DTMF-fähig war oder nicht - mit diesen Signalen arbeiten. Fernabfragefähige Anrufbeantworter konnten mittels dieser Technik einerseits erkennen, ob der Besitzer den AB abhören wollte und andereseits einen mehrstelligen Code abfragen.
Diese Technik, also das Steuern einer Maschine durch DTMF-Signale, ersetzte dann irgendwann einen der größten Krämpfe im Telefonnetz: Sprachcomputer.
Sprachcomputer setzte man hauptsächlich ein, um über eine zentrale Telefonnummer mehrere Dienste anbieten zu können. Der Sprachcomputer ersetzte mit Fragen wie “Sagen Sie ‘Eins’, wenn Sie eine allgemeine Fragen zu unseren Produkten haben,…” die Dame bzw. den Herrn von der Zentrale.
Die Erkennungsquote verlief mehr schlecht als recht und der Anfang der 90er-Jahre von der Bahn eingesetzte Sprachcomputer für die Fahrplanauskunft sorgte für den einen oder anderen Auftritt in Comedyshows.
Schließlich aber war sie da: die Revolution: die Sprachcomputer blieben, konnten nun aber komfortabel per DTMF gesteuert werden. Mit Sternchen und Raute konnte der Anrufer auf eine Frage also 12 verschiedene “Antworten” geben. Nach und nach wurde die Steuerung komplexer: bei z. B. Auftragsstatusabfragen konnte man nun seine Kundennummer ganz einfach per Telefontastatur eingeben - welch Segen!
Meine letzten Erfahrungen in diesem Bereich lagen schon ein paar Jahre zurück - bis ich in diesem Jahr für meinen Großvater einen Anruf bei der Telekom tätigen musste.
Und da war der, der Schock: man hat die Sprachcomputer wieder ausgekramt, und sie sind grausamer als je zuvor! Mittlerweile steuert man die Sprachcomputer ja mit ganzen Worten, und muss auch Dinge wie Auftragsnummern in einzelnen Ziffern angeben. Dabei sind die Reaktionszeiten und Pegel der Sprachcomputer beliebig schlecht konfiguriert, sodass einem dieses Höllengerät entweder ständig ins Wort fällt oder nie alles mitbekommt, was man sagt.
Einen Tipp, der einen manchmal weiterbringt, kann ich euch geben: hustet dem Sprachcomputer was! Ja, ganz recht, zumindest bei der Telekom konnte ich Erfolge verzeichnen, indem ich bei Sprachabfragen mehrfach einfach nur kurz hüstelte (also eine nicht verarbeitbare Ansage machte), nach einer handvoll Versuchen hat mich der Computer dann einfach mit irgendwem verbunden :p
Wie gesagt: immer funktioniert das leider nicht; so habe ich auch schon Sprachcomputer erlebt, die mir beliebig oft “Ich habe Sie leider nicht verstanden” an den Kopf schmissen - angesichts der 01805-Nummer wirtschaftlich wohl sinnvoller für das Unternehmen.
Schade eigentlich, dass oftmals auch Dinge, die nicht gut waren, wiederkehren - aber warten wir mal noch ein paar Jahre, dann wird man wohl das DTMF-Verfahren als technische Revolution wieder aus dem Hut zaubern ;-)

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